Glossar
(das
Glossar besteht aus „Funden“ im Internet; die Adressen sind als Quellen
angeführt. Zu einem herkömmlichen Glossar ergibt sich der Vorteil
der Interaktivität, die man erreicht indem man die beigefügte CD-ROM-Version
lädt. Ein anderer Vorteil ist die Breite der Definitionsmöglichkeiten.
Im gut konstruktivistischen Sinne stellen die Definitionen nicht eine
absolute Realität dar, sondern sichtbar wird der diskursive Charakter,
der jeden Terminus als eine oszillierende, jederzeit veränderbare
Fläche in einem konsensuellen Abgleich psychischer Systeme mit unterschiedlichen
Erfahrungswerten ausweist.)
Anthropologie
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
(griech.) Wissenschaft, die sich mit der
Entwicklung
des Menschen beschäftigt, besonders unter dem Aspekt der Wechselbeziehung
zwischen Persönlichkeit, Gesellschaft und Kultur.
Lehre von der
Entstehung des Menschen, der Menschheit. Die moderne Anthropologie
spricht heute nicht mehr davon, daß der Mensch vom "Affen"
abstammt; vielmehr weiß man ungefähr, daß sich in der
Evolution,
der Entwicklung des Lebens bis hin zu uns, vor sehr langer Zeit aus
Säugetieren "menschenähnliche" Wesen herausgebildet haben.
Vermutlich waren sie erst Kleinaffen ähnlich (vor über 60 Millionen
Jahren), dann den uns bekannten "Menschenaffen", besonders
dem Schimpansen und einigen kleineren, heute noch existierenden Arten
vergleichbar. Das menschenähnliche Fluchttier lernte durch
Erfahrung
(Lernvermögen), Verfolger mit Steinwürfen und dann Verteidigungswerkzeugen
"auf
Distanz"
zu halten. Da dies Tier so gesellig gedacht werden muß wie Affen noch
heute sind, konnte es sich dann in kleinen Horden seiner feindlichen
Umwelt
erwehren und brauchte sich nicht weiter zu spezialisieren (keine gewaltigen
Zähne und Greifarme wie der Gorilla zu entwickeln). In der
Insulation
(Inselbildung) der Herde (
Gruppe)
konnte der Nachwuchs langsam aufwachsen. Im engen Beisammensein und
im gegenseitigen Schutz entwickelte sich der Geist der "Menschanfänger";
ihr leistungsfähig angelegtes Gehirn begann komplizierter zu arbeiten.
Die im Kehlkopfbau angelegte Sprachmöglichkeit (
Sprache)
entwickelte sich so, daß entfernt liegende Gegenstände angesprochen
(
Symbol)
und mit "Bedeutung" versehen werden konnten. So konnte langsam
Kultur
entstehen (
Hochkultur,
Gesellschaft).
Autopoiese
http://beat.doebe.li/bibliothek/w_a.html
- Auto bedeutet
'selbst' und bezeichnet hier die Autonomie selbstorganisierender
Systeme, poiese - aus derselben griechischen Wurzel wie das Wort
'Poiese' - bedeutet 'machen'. Somit heisst Autopoiese wörtlich
'Selbstmachen'.
von Fritjof Capra im Buch Lebensnetz (1996) im Text
Modelle der
Selbstorganisation
- (nach
dem griechischen autos und poiein für Selbstgestaltung: autopoiesis),
womit ich ausdrücken wollte, wie sich Systeme als Produkte ihrer
eigenen Operationen realisieren.
von Humberto R. Maturana im
Buch Was ist
erkennen ? (1994) im Text Elemente
des Erkennens
autopoietisch
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Begriff der
Systemtheorie:
Etwas, das sich "selbst herstellt", also ähnlich der
Autogenese.
Autopoietisch (Autopoiesis) meint in der
Soziologie
nicht nur Vorgänge zur Entstehung von Leben überhaupt und die Entstehung
eines sozialen Systems, wie einer
Organisation,
sondern die Tatsache, daß Menschen und soziale Systeme, Organisationen,
Betriebe sich beobachten, auf ihr eigenes Verhalten reagieren und
sich insofern "selbst machen" (Selbstkonstruktion; Eigengesetzlichkeit;
entsprechend innerer Funktionsbedingungen), was natürlich auch zum
Scheitern führen kann.Gegenteil:
Beobachter
http://beat.doebe.li/bibliothek/w_a.html
- Dabei
steht »Beobachter« für jedes lebende System, somit jeden von uns,
weil Leben und Beobachten gleichbedeutend sind.
von Humberto R. Maturana im
Buch Was ist
erkennen ? (1994) im Text Elemente
des Erkennens auf Seite 39
- Ohne ihn
gibt es nichts. Er ist das Fundament des Erkennens, er ist die
Basis jeder Aussage über sich selbst, die Welt und den Kosmos.
Sein Verschwinden wäre das Ende und das Verschwinden der uns bekannten
Welt; es gäbe niemanden mehr, der wahrnehmen, sprechen, beschreiben
und erklären könnte.
von Humberto R. Maturana im
Buch Die Gewissheit
der Ungewissheit im Text Das
Erkennen des Erkennens verpflichtet (2001) auf Seite 74
Emergenz
http://beat.doebe.li/bibliothek/w_a.html
- Unter
dem Begriff der Emergenz wird das Auftauchen neuer, zumeist höherer
oder komplexerer Eigenschaften in diesem Kosmos zusammengefasst.
von Rupert Riedl im Buch Strukturen der Komplexität
(2000) im Text Welt
und Erkenntnis als Problem auf Seite 40
- Netzgesetz
Nr. 3: Emergenz. Das ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Dieses "Mehr", die neue Qualität, entsteht durch die
jeweilige Art der Vernetzung. Sie erzeugt höhere Komplexität aus
vielen einfachen Komponenten. So wächst das Einzelne über sich
selbst hinaus. Mehr ist anders.
von Michael
Gleich im Buch Web
of Life (2002) im Text Die
zehn Gesetze der Netze auf Seite 80
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#:
...nicht
mehr aus der Summe der Teile ableit- und erklärbare neue Eigenschaft.
Diese ist dann emergent. Diese Erscheinung tritt sowohl in der Physik
als auch im Leben und in der
Gesellschaft auf. So könnte man die "
Wende"
(die Auflösung der
DDR) 1989 als unvorhersehbares und somit emergentes Ereignis
betrachten.
Ethnographie (engl.: ethnography, ethnographic
research)
http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm
Ethnographie bezeichnet
einen vor allem innerhalb der Ethnologie, aber auch in der Soziologie
existierenden Forschungsansatz, der unter Rückgriff insbesondere auf
die Methode der teilnehmenden Beobachtung und der Befragung darauf zielt,
die materiellen und symbolisch-semantischen Weltbezüge fremder Kulturen
bzw. gesellschaftlicher Teilkulturen zu rekonstruieren. Ihre Ursprünge
hat die Ethnographie in der ethnologischen und kulturanthropologischen
Erforschung von kleineren Stammeskulturen. Das Vorgehen hat der Ethnologe
Clifford Geertz einmal so beschrieben: "Wir reden mit dem Bauern
auf dem Reisfeld oder mit der Frau auf dem Markt, weitgehend ohne
strukturierten Fragenkatalog und nach einer Methode, bei der eins
zum anderen und alles zu allem führt; wir tun dies in der Sprache
der Einheimischen, über eine längere Zeitspanne hinweg, und beobachten
dabei fortwährend aus nächster Nähe ihr Verhalten" (Geertz 1985: 38). Schon
in der Ethnologie richtet sich das Forschungsinteresse nicht nur auf
exotische, mehr oder weniger fremde Stämme. Als Völkerkunde oder europäische
Ethnologie untersucht sie vielmehr auch Teilkulturen innerhalb der
modernen Gesellschaft selbst: Dörfer, Grenzregionen, Betriebe usw..
Innerhalb der Soziologie können ethnographische Traditionen bis in
die Arbeiten der -> Chicago School zurückverfolgt werden. Gegenwärtig
finden sich ethnographische Ansätze in der Soziologie als "lebensweltliche
Ethnographie" (Honer 1993) gesellschaftlicher
Teilkulturen, z.B. besonderer Milieus oder Gruppen (etwa Punks, Skinheads,
Adel), sozialer Praktiken (z.B. Kaffeefahrten, Sado-Masochismus, Heimwerken)
oder Organisationen (bspw. Betriebskulturen).
In den USA wurden außerdem
Ideen einer kritischen E. entwickelt, welche den tendenziell
statischen und damit manchmal auch 'konservativen' Charakter der etablierten
E. überwinden und Fragen von Politik und Macht explizit in die ethnographische
Analyse einbauen will (Thomas 1993).
Im angelsächsischen Sprachraum
wird der Begriff E. (in seinen englischen Äquivalenten natürlich)
manchmal auch gleichbedeutend mit "qualitativer Forschung"
verwendet.
Anwendungsbeispiele:
· Barley 1997
· Favret-Saada 1981
· Wittel 1996
Ethnomethodologie
http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/rlmprcht/textling/comment/exz_ethnm1.htm
"... Forschungsansatz, der die grundlegenden formalen Methoden (Basisregeln)
aufzudecken versucht, die die Gesellschaftsmitglieder bei ihren alltäglichen
Handlungen anwenden, um Ereignisse und Handlungen zu interpretieren,
d.h. ihnen Sinn zu verleihen. In der Sichtweise der Ethnomethodologie
gibt es keine 'objektive Wirklichkeit' außerhalb der der Handlungen
der Gesellschaftsmitglieder. (...)
Während die Sozialphänomenologie in der Tradition von A.
Schütz darum
bemüht ist, die Strukturen des unter den Gesellschaftsmitgliedern
geteilten Wissens zu beschreiben, zu analysieren und zu klassifizieren
(was wissen die sozialen Akteure?), befaßt sich die Ethnomethodologie
mit den hierbei eingesetzten Methoden der Gesellschaftsmitglieder
(wie wissen die Akteure, was sie wissen, und wie verwenden sie das,
was sie wissen?). Die Gesellschaftsmitglieder wissen zwar, wie man
eine soziale Situation erkennt und identifiziert (typisiert) - sie
verfügen also über ein praktisches Wissen -, aber sie haben kein explizites
Bewußtsein davon, wie dieser Typisierungsprozeß ausgeführt wird. Dies
ist Untersuchungsgegenstand der Ethnomethodologie. Aus der Beobachtung
und Beschreibung spezifischer Ereignisse und Handlungsvollzüge sollen
die formalen Strukturen von Alltagshandlungen identifiziert werden."
(Peuckert, R. Stichwort "Soziologische Theorien.
In: Schäfers, B. (Hrsg.). Grundbegriffe der Soziologie. 4. verb. u.
erw. Aufl. Opladen: Leske + Budrich, 1995, 332).
»Ich habe versucht, meine Ideen vorzutragen,
aber nicht unbedingt als Konstruktivist... Sobald ein solches Schlagwort
auftaucht, weiß jeder, wovon geredet wird. Man braucht also nicht
mehr zuzuhören, weil jeder schon weiß, das ist ein Konstruktivist.«
Heinz v. Foerster 
Heinz von Foerster
Eine
Legende
10.
April 1997
Es
war kein Freitag, dieser 13. November 1911, wo Heinz von Foerster
in Wien geboren wurde. (Dass es ein Freitag gewesen sei, ist nur eine
dumme Luege, die von gewissen Spaassvoegeln verbreitet wurde. Trotzdem
hatte Heinz genausoviel Glueck, wie wenn er an einem Fr. 13. geboren
waere.) Und durch eine Einladung des "Institut Wiener Kreis"
wurde es moeglich, dass er 1996 seinen 85. Gebutstag auch in Wien
feiern konnte: Heinz von Foerster, Pionier der Kybernetik und System-Theorie,
Mitarbeiter von Warren McCulloch am MIT, ect, etc.
Aus
diesem gegebenen Anlass bekam Heinz das Ehrenkreuz fuer Wissenschaft
und Kunst vom Bundesministerium fuer Wissenschaft, Verkehr und Kunst
(das einen hohen Orden der Republik Oesterreich darstellt,) eine Honorarprofessur
der Grund- und Integrativ-wissenschaftlichen Fakultaet der Universitaet
Wien, und er wurde auch vorgeschlagen fuer das grosse goldene Ehrenkreuz
der Stadt Wien, welches ihm aber nicht verliehen werden konnte, da
die Wiener Stadtregierung wieder einmal (diesmal wegen der Nachwahlzeit)
nicht beschlussfaehig war.
Man
kann aus diesen Ehrungen also leicht ersehen, dass sich die Situation
in Oesterreich stark gebessert hat: Waehrend Sigmund Freud, Ludwig
Wittgenstein und Kurt Goedel erst nach ihrem Tod von den Oesterreichern
(und besonders den Wienern) entdeckt wurden, beginnt Wien heute seine
grossen Soehne nun doch schon zu Lebzeiten zu ehren (zumindest dann
wenn sie ein honoriges Alter erreichen). Das gestoerte Verhaeltnis
der Oesterreicher zu ihrer eigenen kulturellen Identitaet beginnt
sich also langsam zu entspannen .....
Heinz
von Foerster war nicht nur Kybernetiker und System-Wissenschaftler,
sondern auch Mathematiker und Logiker. Seine Ergebnisse sind auch
relevant fuer die Psychologie und Philosophie. In der Kybernetik hat
er uns einen Weg aus der Regelungstechnik zu einer Kybernetik zweiter
Ordnung gewiesen, die in der Soziologie von Niklas Luhmann aufgegriffen
und ausgebaut wurde. In dieser Einzelwissenschaft wird gegenüber verengten,
mit Eindeutigkeit verbundenen Kausalkonzepten die Entstehung von Neuem
durch Konstruktion und Selbstorganisation möglich.
Foersters
Anwendungen der Mathematik auf die von ihm bearbeiteten Gebiete der
Wissenschaft (Gedächtnistheorie, Selbstorgasination, Epistemologie,
Kognition, Biophysik, Automatentheorie, Computer-Musik, etc) erregten
oft den Widerspruch der klassischen Mathematiker, lieferten jedoch
stets neue und interessante Interpretationen des angewandten Faches.
In der Logik arbeitete er an der Begründung von nicht-fundierten Systemen,
wo es auch Axiome gibt, die aus zirkulaeren Implikations-Ketten (logischen
Schlussfolgerungen) bestehen.
In
der Philosophie ist er einer der Mitbegruender des radikalen Konstruktivismus,
wonach die Realitaet (im Gegensatz zum Platonismus) nicht entdeckt,
sondern von uns Menschen konstruiert wird. Fuer die Mathematik ist
das seit Plato eine uralte zentrale Frage: Werden die mathematischen
Objekte von den Mathematikern entdeckt oder konstruiert? Da solche
philosophischen Fragestellungen natürlich das Interesse eines breiteren
Publikums erregen (im Gegensatz zu den mathematischen Problemen),
stieg auch der Bekanntheitsgrad von Foerster mit der zunehmenden Modernität
des radikalen Konstruktivismus radikal an.
In
der Psychologie ist diese Fragestellung neu und besonders in Hinblick
auf den amerikanischen Behaviorismus brisant. Prof. Giselher Guttmann
vom Institut fuer Psychologie der Universitaet Wien betont, dass der
Konstruktivismus fuer die Psychologie von grosser Bedeutung ist, da
insbesonders bei kranken Menschen (z.B. bei Schizophrenen) die Wirklichkeit
sehr oft eine blosse Konstruktion ist.
Heinz
von Foerster war auch ein Pionier der Computer-Musik und wurde durch
die Frage angeregt, weshalb ein physikalisches System (z.B. eine Anordnung
von Stimmgabeln) zur Erkennung eines Tones wesentlich mehr Energie
und Zeit braucht, als ein biologisches System (z.B. das menschliche
Ohr). Der von Foerster bereits 1968 eingeschlagene Lösungsweg war,
den biologischen Erkennungsvorgang der Töne am Computer nachzubilden,
also zu simulieren. Dadurch ging er fruehzeitig seinen eigenen und
erfolgreichen Weg und wurde so einer der Pioniere der Computer-Musik.
(Sein Bruder Uzzi Foerster wirkte uebrigens jahrzehntelang in Wien
als Jazz-Musiker; es ist also wirklich eine Musik-begabte Familie.)
Wir
Informatiker sind heute den Umgang mit unseren Computern schon so
gewoehnt, dass wir bereits ganz auf das ideengeschichtliche Vorfeld
der Informatik vergessen haben. Die Computer sind nicht vom Himmel
gefallen, wie das viele junge Hacker heute defacto glauben. Es war
ein langer und dornenvoller Weg von Gottfried Wilhelm Leibniz ueber
Kurt Goedel und Alain Turing zu Johann von Neumann und dem ersten
programm-gesteuerten Computer, von Norbert Wiener und dem Wiener Kreis
ueber Foerster und McCulloch zur Kybernetik, und von Rudolf Carnap
ueber Herbert Simon zur Artificial Intelligence. Und dieser Weg hat
viele seiner Wurzeln in Wien. Wir sollten uns daher endlich darueber
im klaren werden, dass Oesterreich kulturgeschichtlich zur Entwicklung
des Computers einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Manche Appologeten
der A.I. und Liebhaber der Computer verherrlichen immer nur die USA
(welche bei der technischen Ausarbeitung der Konzepte zweifellos ihre
Meriten hat). Aber die Konzepte zum Bau des Computers selbst stammen
aus Europa, und Oesterreich hat (trotz seiner Kleinheit) einen wesentlichen
Beitrag dazu geleistet! Dies scheinen viele Oesterreicher noch nicht
begriffen zu haben.
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Riegler
Gehirn
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Es ist der wichtigste Teil des
Zentralnervensystems
und liegt - eingebettet in Gehirnwasser, das als elektromagnetisches
Feld wirkt - im Schädel geschützt gegen Druck und Stoß. Anatomisch
wird das Gehirn in Vorderhirn, Zwischenhirn und Hinterhirn
(Stammhirn und Kleinhirn) unterteilt. Die Großhirnrinde
(
Cortex)
ist beim Menschen hoch entwickelt.
Das Gehirn besteht aus zwei Hälften (
Hirnhemisphären),
die den Körper asymmetrisch steuern, die linke Hälfte die rechte Körperseite
und umgekehrt. Zudem ist die linke Gehirnhälfte für die Sprache, das
logische Denken und das Analysieren von Situationen zuständig. Die
rechte Seite ist gefühlsbetonter. Sie steuert musisches und künstlerisches
Empfinden, Kreativität sowie Bewegungen und räumliches Denken. Die
besten Lernleistungen werden erzielt, wenn beide Gehirnhälften gleichermaßen
an der Verarbeitung von Information beteiligt sind. Da in unserer
Kultur die rechte Hemisphäre vernachlässigt wird, sollte sie in der
Erwachsenenbildung
bewusst in das Lernen miteinbezogen werden. Kreative Tätigkeiten,
Musik,
Meditation
und Entspannung haben unterstützende Wirkung. (
Hemisphärendominanz,
neuropsychologische
Grundlagen)
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00537.html:
- Man weiss
heute, dass die unser Bewusstsein produzierende Grosshirnrinde
sich in ihren Verdrahtungen wesentlich mit sich selbst beschäftigt.
von Gerhard Roth im Buch Abschied vom Absoluten / Die
Gewissheit der Ungewissheit (2001) im Text Wir selbst sind Konstrukte
auf Seite 153
- Die Grosshirnrinde
hat 1 Mio. mal mehr interne als externe Verbindungen.
von Gerhard Roth in der Radioserie
Sternstunde
Philosophie 30.12.2001 (2001)
Ernst von Glasersfeld, 
geb.
1917 als Österreicher in München, Studium der Mathematik in Zürich
und Wien; während des zweiten Weltkrieges Farmer in Irland. Ab 1947
Journalist in Italien, 1962-1970 Leiter eines Forschungsprojektes
in maschineller Sprachanalyse; 1970-1987 Professor für kognitive Psychologie
an der University of Georgia/USA; Mitarbeiter am Scientific Reasoning
Research Institute, University of Massachusetts/USA.
http://beat.doebe.li/bibliothek/p00019.html
Hemisphärendominanz
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Der
Cortex cerebri
wird durch eine tiefe Spalte in zwei Teile, die rechte und linke Großhirnhemisphäre
getrennt. Die beiden Hälften sind durch ein dickes Nervenbündel, den
Balken, funktionell miteinander verbunden. Sie werden in Stirnlappen
(Lobus frontalis), Scheitellappen (Lobus parietalis), Schläfenlappen
(Lobus temporalis), Hinterhauptslappen (Lobus occipitalis) unterteilt.
Anders als bei den meisten Tieren haben die beiden Hemisphären
bei den Menschen unterschiedliche Aufgaben. Die Entwicklung dieser
funktionellen Hemisphärenasymmetrie wird Lateralisation
genannt. Man spricht auch von Hemisphärendominanz.
Dazu gehört u.a. die Händigkeit (links- oder rechtshändig) oder die
Ohrigkeit (Auralität). Auch die Sprachleistungen werden einer Hirnhälfte
zugeordnet. So gilt bei ca. 95% der Bevölkerung die linke Hirnhälfte
als die sprachdominante. Mit der nicht-dominanten Seite nehmen wir
dagegen bevorzugt Musik wahr. Die Hemisphärendominanz entwickelt sich
erst im Verlauf der ersten Lebensjahre. Sie ist also nicht angeboren.
Erst nach dem 14./15. Lebensjahr kann die nicht-dominante Seite sprachliche
Funktionen vermutlich nicht mehr erlernen.
Ob weitere Zuschreibungen der Aufgaben, wie etwa Informationen
in Abschnitte zerlegen (sequentiell), zeitlich strukturieren, logisch
gliedern als typisch für die linke Hemisphäre angesehen werden müssen
und die simultane, räumlich, ganzheitlich verknüpfte Verarbeitung
typisch für die rechte Hemisphäre ist, bleibt aber bei Hirnforschern
umstritten.
Unter heilpädagogischen Gesichtspunkten kann jedoch
eine solche Gegenüberstellung als Strukturierungshilfe zur Gestaltung
von Lernsituationen benützt werden.
Logische, inhaltlich stark gegliederte und zeitlich
klar begrenzte und durch sprachliche Kommunikation gekennzeichnete
Aufgaben können sich z.B. mit bildlichen, musisch-räumlichen, ganzheitlichen
und wenig gegliederten Aufgaben abwechseln und ergänzen.
Literatur
Creutzfeldt, O.D.: Cortex cerebri. Berlin 1983.
Kolb, B. / Wishaw, I. Q.: Neuropsychologie. Heidelberg 1993.
Springer, S.P. / Deutsch, G.: Linkes rechtes Gehirn, Funktionelle
Asymmetrien. Heidelberg 1987.
Leander Pflüger
Gehirn-Hemisphären
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00143.html
Die unterschiedlichen Aktivitäten
der beiden Hirnhälften
aus
dem Buch Denken,
Lernen, Vergessen von Frederic
Vester
Linke
Hälfte
- Rationales Denken
- Analytisches Denken
- Logik von Ursache und Wirkung
- Deduktive Schlussfolgerungen
- Arbeiten mit Zahlen, Begriffen und Quantitäten
- Administratives, kontrolliertes sequentielles
Vorgehen
- Bedarf nach Ordnung und Struktur
- Liebe zum Detail
- Vertikales Denken
|
Rechte
Hälfte
- Einsatz von Phantasie und Intuition
- Ganzheitliches Denken, das auf Details und Vollständigkeit
verzichtet
- Akausales Denken, das Widersprüchlichkeit und
Paradoxie toleriert
- Analoge Schlussfolgerungen
- Mustererkennung und bildhafter Vergleich
- Entwirft konzepte
- Bezieht Gefühle, Empfindungen und Unwägbares
mit ein
- Unklare Beschreibung
- Fuzzyness
- Laterales Denken
|
Grounded Theory
http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ilm_g1.htm
Die
Grounded Theory wurde ursprünglich, wie der Name sagt, vor allem aus
dem Impuls formuliert, eine Annäherung von theoretischer und empirischer
Forschung einzuleiten, nach dem - wissenschaftstheoretisch gewiss
naiven, forschungspragmatisch aber durchaus fruchtbaren - Grundsatz,
Theorien in enger Tuchfühlung mit "sozialer Realität" zu
erarbeiten. Sie wird heute vor allem mit dem Paradigma der qualitativen
Sozialforschung verbunden; Glaser & Strauss 1967
gingen in ihrem grundlegenden Werk - m. E. zu Recht - davon
aus, dass sich "quantitative" Daten ebenso gut für die Erarbeitung
einer G. T. eignen können wie "qualitative". Grundanliegen
der G. T. ist, Theorien nicht abstrakt, sondern in möglichst
intensiver Auseinandersetzung mit einem konkreten Gegenstand zu entwickeln.
Daher finden sich in Deutschland auch manchmal die Bezeichnung "gegenstandsbezogene
Theorie" oder (besser) "empirisch begründete Theoriebildung".
Allerdings ist keine dieser Übersetzungen wirklich zufriedenstellend,
so dass (auch aus diesem Grund) in Deutschland vielfach die englische
Bezeichnung verwendet wird.
Der
Ansatz der G.T. enthält keine Anweisungen zur Datenerhebung und in
der ersten Fassung nur sehr wenige zur Auswertung der Daten. Die wesentlichen
Arbeitsschritte sind:
·
Die Datenerhebung;
·
das Codieren,
d.h. die Bildung von Kategorien und die Zuordnung von Daten (Indikatoren)
zu diesen;
·
das Kontrastieren (constant comparison, "permanenter Vergleich")
von Fällen zum Zweck der Überprüfung der Reichweite der bislang entwickelten
Kategorien;
·
das Theoretical
Sampling, d. h. die Fallauswahl gemäß dem jeweiligen Stand
der Datenauswertung und der daraus entstandenen Ideen, Konzepte und
Fragen, auch mit dem Ziel, neue Vergleichsfälle zu generieren;
·
das Schreiben von Memos, d.h. das Festhalten
von Ideen, Notizen, Kommentaren, insbesondere zum jeweiligen Stand
der Codierung - anhand der Memos soll im Verlauf der Forschung letztlich
die Theorie entwickelt werden.
Anselm Strauss hat inzwischen
die Anweisungen zur Datenauswertung in Form eines (gewiss manchmal
einengenden) "Codier-Paradigmas"
etwas elaboriert (vgl. Strauss 1994; Strauss & Corbin 1996),
während sich Barney Glaser von diesem Versuch der "Kodifizierung
der Kodierung" stark distanziert hat (Glaser 1992).
Identität
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
(lat.) Bezeichnung für die vollständige Übereinstimmung
von zwei Gegenständen, von Merkmalen oder Sachverhalten. Identität
eines Menschen wird im Sinne von »sich gleich bleiben, sich selbst
treu bleiben« als notwendiges Persönlichkeitsgerüst angesehen, dessen
Verlust zu psychischer Labilität, Orientierungslosigkeit und Angstzuständen
führt (»sich verlieren«). Außer von persönlicher
wird auch von sozialer Identität gesprochen,
die als selbstverständlich empfundene Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen
Gruppe und deren typischen Verhaltensweisen gilt. Das Identitätskonzept
ist allerdings nicht unumstritten, da der Mensch a priori ein sich
entwickelnder und wandelnder ist, der ohne ein gewisses Maß an
Anpassungsverhalten
nicht existieren kann.
Identität
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00117.html
Definitionen
- Unter
Identität im klassischen Sinne versteht man das Bewusstsein, sich
von anderen Menschen zu unterscheiden (Individualität) sowie über
die Zeit (Kontinuität) und verschiedene Situationen (Konsistenz)
hinweg - auch für die Umwelt erkennbar - dieselbe Person zu bleiben.
von Nicola Döring im Buch Sozialpsychologie des Internet
(1999) im Text Identitäten und Internet auf Seite 255
Bemerkungen
- Heute,
in postmoderner Zeit, sind multiple Identitäten bei weitem nicht
mehr so marginal. Eine weit größere Zahl von Menschen erleben
Identität als ein Repertoire von Rollen, die sich mischen und
anpassen lassen und über deren verschiedene Anforderungen verhandelt
werden muss. Viele Sozialwissenschaftler und Psychologen haben
versucht, die neue Identitätserfahrung theoretisch zu erfassen.
Proteisch nennt sie Robert Jay Liften, wahrend Kenneth Gergen
die Vervielfältigung der Masken als übersättigtes Selbst bezeichnet.
Für Emily Martin ist das flexible Selbst eine moderne Eigenschaft
von Organismen, Personen und Organisationen.
von Sherry Turkle im Buch Leben im Netz (1995) im
Text Aspekte
des Selbst auf Seite 289
Interkulturelle
Kommunikation
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Verständigung
innerhalb unterschiedlicher Kulturen. Durch zunehmende
Globalisierung
kommt ihr vermehrt Bedeutung zu. Erwachsenenbildungsangebote können
Raum für Begegnung, Kennenlernen und Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher
Kulturen schaffen. Dies kann Vorurteile ab- und tolerantes Verhalten
aufbauen. (
pluralistische
Gesellschaft)
Konsensueller
Bereich
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00220.html
Definitionen
- [Nach H. Maturana:] Wenn zwei
Lebewesen über längere Zeit hinweg interagieren, sich also gegenseitig
zu Strukturänderungen anregen ('perturbieren'), 'parallelisieren'
sich ihre Strukturen und dabei vor allem die Nervensysteme der
beiden interagierenden Lebewesen. Diese gleichen sich immer mehr
aneinander an, und es bilden sich Gemeinsamkeiten (partielle Isomorphien)
aus. Diese gemeinsamen Strukturbereiche beider Lebewesen bezeichnet
Maturana als konsensuelle Bereiche.
von Volker Riegas im Buch Zur Biologie der Kognition
(1990) auf Seite 333
- Der "konsensuelle Bereich"
ist, wenn ich beobachte: "Die beiden Tänzer tanzen."
Oder: Ich bin einer der beiden Tänzer. Wir tanzen jetzt. Dann
haben wir nach Maturana einen "konsensuellen Bereich"
etabliert. Ich würde sagen: "Jetzt tanzen wir."
von Heinz von Foerster im Buch
Teil der Welt
(2002) im Text Dritter
Akt: Bedeutung auf Seite 346
Bemerkungen
- Nun, wenn Organismen anfangen,
ihre Handlungen derart zu koordinieren, dass man als Beobachter
sagen kann, dass da eine konsensuelle Koordination von konsensuellen
Koordinationen von Handlungen vorliegt, dann liegt ein neuer Phänomenbereich
vor. Die im Verlauf dieses Prozesses auftretenden Phänomene sind
nicht von den Phänomenen zu unterscheiden, die sich im Bereich
der Sprache abspielen. Genau das nenne ich den Sprachprozess oder
die Produktion von Sprache.
von Humberto R. Maturana im
Buch Zur Biologie
der Kognition (1990) im Text Gespräch mit Humberto R. Maturana
auf Seite 22
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00101.html
- Das, was Konstruktivismus genannt
wird, sollte, so meine ich, schlicht eine skeptische Haltung bleiben,
die die Selbstverständlichkeit des Realismus in Zweifel zieht.
von Heinz von Foerster im Buch
Wahrheit ist
die Erfindung eines Lügners (1998) im Text Die Gefahr des Etiketts
- Untersuchung der Art und Weise,
wie wir Menschen unsere eigenen Wirklichkeiten erschaffen.
von Paul Watzlawick im Buch
Vom Schlechten des Guten
(1986) im Text Ist
es das? auf Seite 115
- Der Konstruktivismus ist keine
Theorie des Seins, formuliert keine Aussagen über die Existenz
der Dinge an sich, sondern ist eine Theorie der Genese des Wissens
von den Dingen, eine genetische Erkenntnistheorie. Für den Konstruktivismus
ist Wissen kein Abbild der externen Realität, sondern eine Funktion
des Erkenntnisprozesses.
von Rolf Schulmeister im Buch
Grundlagen hypermedialer
Lernsysteme (1996) im Text Theorien des Lernens auf
Seite 67
- Der Konstruktivismus lehrt,
dass unsere Erkenntnis durch Konstruktion zustande kommt, er macht
damit keine Aussage über das Seiende.
von Christiane Floyd im Buch
Konstruktivismus
und Kognitionswissenschaft (1997) im Text Das Mögliche Ermöglichen
auf Seite 110
- Was ist Radikaler Konstruktivismus?
Einfach ausgedrückt handelt es sich da um eine unkonventionelle
Weise die Probleme des Wissens und Erkennens zu betrachten. Der
Radikale Konstruktivismus beruht auf der Annahme, dass alles Wissen,
wie immer man es auch definieren mag, nur in den Köpfen von Menschen
existiert und dass das denkende Subjekt sein Wissen nur auf der
Grundlage eigener Erfahrung konstruieren kann. Was wir aus unserer
Erfahrung machen, das allein bildet die Welt, in der wir bewusst
leben.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Wie ich zum Konstruktivisten
heranwuchs auf Seite 22
- Der Radikale Konstruktivismus
begreift sich selbst als eine Konstruktion und nicht als eine
letzte Wahrheit, er ist eine Möglichkeit, die Dinge zu sehen.
Für mich ist, dies kann ich auch mit Blick auf meine therapeutische
Arbeit sagen, allein die Frage ausschlaggebend, welche Konstruktion
sich als die nützlichste und menschlichste erweist.
von Paul Watzlawick im Buch
Die Gewissheit der Ungewissheit
(2001) im Text Wir können von der Wirklichkeit
nur wissen, was sie nicht ist auf Seite 222
- Der radikale Konstruktivismus
kann [...] als eine Erkenntnistheorie beschrieben werden, die
sich bemüht, den Begriff des Wissens von seiner traditionellen
ikonischen Verknüpfung mit der Wahrheit zu befreien.
von Ernst von Glasersfeld im Buch Wege des Wissens im Text Lehren und Lernen aus der Sicht eines Konstruktivisten
(1991) auf Seite 203
Konstruktivistische Didaktik
http://www.konstruktivistische-didaktik.de/nav.htm
als Hinwendung zu einer integrativen, subjektorientierten,
konstruktivistischen und gesellschaftskritischen Schulwirklichkeit
in Lehrer- Aus- Fort - und Weiterbildung
Unter dem Begriff " Konstruktivistische Didaktik
"verbirgt sich ein anderes Verständnis von Didaktik, als der
bisherigen an Hochschulen und Schulen gelehrten und geübten Didaktik.
Die Realität ist nicht von sich aus da, sondern wird
in einem kommunikativen, rückgekoppelten Prozeß immer wieder neu konstruiert,
sprich erfunden.
Diese Erkenntnis ( die wiederum nur eine erfundene ist
) hat für die didaktische Komponente des Unterrichtens, Planens und
Durchführens von Unterricht gravierende ,neu zu entwickelnde Möglichkeiten.
Schon das Höhlengleichnis beschreibt die Höhlenbewohner
als Gefangene der Schatten an der Wand. Sie sind unfähig, das eigentliche
Sein zu erkennen.
Im weiteren Verlauf der erkenntnistheoretischen Geschichte
wurde der Erkenntnis ein Repräsentationscharakter zugeschrieben, und
somit in den Zustand der Objektivität erhoben.
Erst der Konstruktivismus verlagerte diesen Erkenntnisprozeß
in einen wechselseitigen Prozeß zwischen Subjekt und Objekt und untermauerte
posthum die Thesen von Kant.
Der Radikale Konstruktivismus geht noch einen Schritt
weiter und stellt die Frage nach dem Erkenntnisprozeß in unserem Hirn
auf .
Er vermeidet den in der Kognitionspsychologie immer
wieder gebrauchten Begriff der " Repräsentation " und definiert
Erkennen als einen Prozeß, den das Subjekt über eigene, rückbezügliche
Prozesse selbst hergestellt hat.
Wenn wir also davon ausgehen, daß das Gehirn nur das
verarbeitet, was ihm die Sinnesorgane anbieten, und so mit Hilfe des
Vorwissens eine subjektive Wahrnehmung konstruiert wird, können wir
auch den Lernprozeß als einen vom Subjekt konstruierten Prozeß definieren,
der unabhängig von den Lernangeboten abläuft.
Auf Unterricht bezogen heißt dieses, daß jeder/jede
Schüler/ Schülerin strukturdeterminiert nur solche Lernprozesse durchläuft,
die er in seinem Hirn neu strukturiert und organisiert, wobei ein
Lehrer wiederum nur an einer Verhaltensänderung auf der Grundlage
seiner subjektiven Lernstruktur "erkennt" ob ein Schüler
gelernt hat oder nicht.
Die Lernprozesse hängen von den Konstruktionen eines
Lehrers ab.
Ein Lernprozeß ist folglich abhängig von der Strukturdeterminiertheit
eines Subjektes und der Interaktion mit seiner Umwelt, wobei die Umwelt
nur in Form von Störungen auf das Subjekt einwirkt.
Dabei muß das Subjekt versuchen sich gegenüber einer
Störung viabel zu verhalten, oder es geht unter. Im ersten Fall sprechen
wir von einem erfolgreichen Lernprozeß, im zweiten Fall geht das Subjekt
unter.
Lernen ist demnach kein Input – Output- Modell, sondern
ein aktiver, selbstorganisierender, rückkoppelnder Prozeß, der auf
ein Überleben des Subjektes abzielt.
Die Konstruktivistische Didaktik zielt daher auf eine
Störung, die das Subjekt aus dem Gleichgewicht bringt, und somit das
Subjekt veranlaßt, eine Veränderung des Zustandes zu erreichen.
Wissen wird über Handlungen erworben, also wird das
Projekt, an dem sich alle unterschiedlichen Subjekte mit ihren Strukturderminiertheiten
abarbeiten sie in einen Lernprozeß stürzen, der Störungen einhaltet,
die nun gemeinsam überwunden werden müssen, um gemeinsam zu überleben.
Dabei ist das Verbindende das Elementare eines Lerngegenstandes, einer
Situation, einer Handlung, und nicht die Vielfalt der Lernmethoden,
wie z.B. Wochenplanarbeit, Freiarbeit usw.
Ereignisse im Unterricht, die nicht als Perturbationen
wirken , führen auch nicht zu strukturellen Umwandlungen subjektiver
Systeme, und können somit auch keine Lernprozesse in Gang setzen.
Lehrer/Innen sind aber dazu ausgebildet, durch ihre
Handlungsanweisungen an Schüler für eine Stabilität in der Schule
zu sorgen, in dem sie vorhandenes Wissen bestätigen, z.B. durch Klassenarbeiten
,Test`s usw., und somit verhindern, daß Schüler neugierig die Welt
in Frage stellen.
Die Konstruktivistische Didaktik stellt folglich Lernen
vor Wissen, um so einen Lernprozeß zu initiieren.
Kultur
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
eigentlich "Pflege" (
Agrikultur
ist die Pflege von Wiesen und Äckern, Tieren und Nutzpflanzen). Hier
ist die Gesamtheit der Lebensvorstellungen einer räumlich abgegrenzten
Gesellschaft
gemeint: ihre Wertvorstellungen, ihre Sitten und Bräuche (Normen),
ihre Bauten und Geräte (Technik). Da man heute auf der Erde noch über
1500 Sprachen zählt, muß man mit einer mindestens ebenso großen Anzahl
von Kulturen rechnen. Das wird nur dadurch für uns verdeckt, daß die
"abendländische", das heißt die in Europa entstandene, individualistische,
kapitalistisch-industrielle Kultur sich über
die ganze Erde ausgebreitet hat und besonders in ihrer
Technologie
sehr ähnliche Züge aufweist. Die Unterschiede zwischen einzelnen Kulturen
können außerordentlich groß sein. Offenbar kam es den Menschen der
Vorzeit in erster
Linie
darauf an, ihren eigenen Weg zum Überleben zu finden. Da diese Menschengruppen
über lange Zeit isoliert lebten, schufen sie ihre eigenen Sprachen,
ihre eigenen
Institutionen,
fanden ihren eigenen Glauben (
Religion).
Eigenarten einer Kultur (zum Beispiel die
Sprache,
aber auch das Gefühlsleben der Menschen in ihr) verändern sich deshalb
so langsam, weil
Werte,
Normen, Verhaltensweisen und Gefühlsreaktionen von den Erwachsenen
auf die Kinder übertragen werden. (Daher ist das
Über-Ich
eines Menschen auch stets "älter" als er selbst.) Will man
also eine
Gesellschaft,
die in Veränderung ist, zum Beispiel "sich modernisiert",
richtig einschätzen, muß man ihre - vergangene - Kultur
studieren: Kultur-Interessen haben sich in
den letzten 40 Jahren stark verändert.
In Deutschland wurde der Begriff "Kultur" lange Zeit für "höhere Lebensart" (gegenüber
"
Zivilisation")
gebraucht.
Hochkultur
Kulturanthropologie
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Wissenschaft von der
Beziehung
des Menschen zur
Kultur;
aber auch die
Wissenschaft
von anderen, besonders schriftlosen Kulturen (früher sogenannten "primitiven
Kulturen").
Kybernetik
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Zusammenfassung für eine Forschungsrichtung, die vorwiegend
biologische, mathematische und technische, aber auch soziologische
Vorgänge vergleichend betrachtet. Erkenntnisse von einem Gebiet werden
auf das andere übertragen. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen
ab und bedeutet eigentlich "
Lehre
von der
Kunst
des Steuerns". Hauptarbeitsgebiet ist die Erforschung und Konstruktion
von sich selbst steuernden Mechanismen. Damit sind Einrichtungen (in
Lebewesen und Maschinen) gemeint, in denen ein "Sollwert"
(Richtwert,
Norm)
so eingebaut ist, daß von ihm aus der Erfolg der Tätigkeit (der Aktion
der Maschine oder des Lebewesens oder auch eines Organs im Lebewesen),
das heißt der "Istwert", registriert werden kann. Sollwert
und Istwert werden verglichen. Die weiteren Aktionen werden selbsttätig
so eingerichtet, daß der Istwert sich dem Sollwert angleicht, das
heißt Differenzen zwischen dem angestrebten Zustand und dem (nur)
erreichten "ausgesteuert" werden.
Ein kybernetisches Modell läßt sich auch auf die Psyche
des Menschen und auf Gruppen und Organisationen, sogar auf ganze Gesellschaften
übertragen. Im Menschen ist das
Gewissen
(oder
Über-Ich)
zum Beispiel ein Sollwert-Geber, der Abweichungen im eigenen (und
fremden) Verhalten registriert und darauf dringt, daß sie korrigiert
werden. Gruppen steuern ihr Verhalten ähnlich (gesetztes Ziel - Unzufriedenheit
über eigene Aktionen - Veränderung der Aktionen - Erreichen des Ziels
- Zufriedenheit aus Übereinstimmung von Ist- und Sollwert). Der
Theorie
nach sollte sich der kapitalistische
Markt
ursprünglich auch "kybernetisch" regeln und damit die ganze
Wirtschaftsgesellschaft steuern: Zu teure Angebote auf dem
Markt
sollten durch
Konkurrenz
unterboten werden; damit sollten die Preise "heruntergeregelt"
werden, bis sie an die
Grenze
der Produktionsmöglichkeiten und der Gewinnmotivation von Fabrikanten
und Händlern einerseits, Bereitschaft zur Entlohnung der
Arbeiter
andererseits stoßen würden. Durch höhere Profite würden die
Arbeiter
besser bezahlt werden können, das heißt aber auch: konsumkräftiger
werden; das hätte ein Anheben der Preise zur Folge, bis durch
Konkurrenz
eine "vernünftige" Rücksteuerung erfolgen würde. Dieses
kapitalistische Marktmodell hat bisher deshalb nicht für die ganze
Welt funktioniert, weil das dazu notwendige Gleichgewicht zwischen
den Konkurrenten nicht erhalten blieb, sondern Oligopole und dann
Monopole entstanden.
Es gibt
heute kybernetische (theoretische) Aussagen für die Wirtschaft und
Politik der ganzen Welt. Rome,
Computer,
Krise
Kybernetik
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00023.html
Definitionen
des Begriffs "Kybernetik"
- Ein Zweig der Mathematik, der
sich mit den Problemen der Steuerung, der Rekursivität und der
Information befasst.
von Gregory Bateson im Buch
Geist und Natur (1979)
- Forschungsrichtung, die vergleichende
Betrachtungen über Gesetzmässigkeiten im Ablauf von Steuerungs-
und Regelungsvorgängen in Technik, Biologie und Soziologie anstellt.
[Duden]
- Wie im allgemeinen bekannt ist,
spricht man von Kybernetik, wenn Effektoren, wie z.B. ein Motor,
eine Maschine, unsere Muskeln usw. mit einem sensorischen Organ
verbunden sind, das mit seinen Signalen auf die Effektoren zurückwirkt.
von Heinz von Foerster im Buch
KybernEthik
im Text Ethik
& Kybernetik zweiter Ordnung (1990)
- Die Kybernetik ist für mich
ein metadisziplinäres (das heisst übergeordnetes) Gebiet, kein
interdisziplinäres, da sie Begriffe und Begriffsmuster entwickelt
und klärt, die neue Erkenntniswege in einer Vielfalt von Erfahrungsbereichen
eröffnen.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- [Norbert] Wiener definierte
statt dessen die Kybernetik als die Wissenschaft von Regelung
und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die
Verbindungen zur Kybernetik
- Warren McCulloch, ein Neuroanatom,
Logiker und Philosoph, betrachtete die Kybernetik als eine experimentelle
Erkenntnistheorie, die sich mit der Erzeugung von Wissen durch
die Kommunikation innerhalb eines Beobachters und jene zwischen
einem Beobachter und seiner Umwelt beschäftigt.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- Stafford Beer, Industrieanalytiker
und Unternehmensberater, definierte die Kybernetik als die Wissenschaft
der effektiven Organisation.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- Der Anthropologe Gregory Bateson
betonte, dass die Naturwissenschaften sich mit Materie und Energie
beschäftigt hatten und dass die neue Wissenschaft der Kybernetik
sich mit Formen und Mustern befasst.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- Für den Erziehungstheoretiker
Gordon Pask ist die Kybernetik die Kunst der Manipulation akzeptabler
Metaphern, die zeigt, wie diese konstruiert und was aus ihrer
Konstruktion für Schlüsse gezogen werden können.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- Auch Jean Piaget verstand in
seinen späteren Lebensjahren die Kybernetik als das Unternehmen,
die Prozesse der kognitiven Anpassung des menschlichen Verstandes
zu modellieren.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Die Verbindungen zur Kybernetik
- Unter Kybernetik (vom griechischen
kybernetes, der Steuermann) versteht man die Erkennung, Steuerung
und selbsttätige Regelung ineinandergreifender, vernetzter Abläufe
bei minimalem Energieaufwand.
von Frederic Vester im Buch
Die Kunst vernetzt zu denken
(1999) im Text Systemgerechtes
Planen und Handeln auf Seite 124
- Kybernetik ist die Wissenschaft
der effektiven Organisation.
von Peter Gomez im Film 90 Jahre Heinz von Foerster
(2001)
Mimesis
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
(griech.) Nachahmende Darstellung der Natur durch bildende
Kunst, Literatur oder Musik. Geistig behinderte Menschen finden dafür
häufig eigene Formen und originelle Ausdrucksweisen.
Der Begriff verweist auf die Bedeutung von »zur Darstellung
bringen«, aber auch von »sich ähnlich machen« und wird dadurch für
pädagogische Prozesse relevant. Durch »mimetische Kompetenz« wird
ein Zusammenspiel und eine daraus hervorgehende Verständigung zwischen
Menschen mit schwerer geistiger Behinderung und den sie begleitenden
pädagogischen Betreuern ermöglicht.
Multikulturelle
Gesellschaft
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
(lat.) Gesellschaft, die in ihrer Zusammensetzung durch
unterschiedliche Kulturen gekennzeichnet ist. Die Vielfalt der Sprachen,
Bräuche, Lebensformen und Wertsysteme kann als Bereicherung der eigenen
Kultur aufgefasst werden und zu Toleranz gegenüber andersartigem,
fremdem Verhalten führen. Sie kann aber auch als Bedrohung für die
eigene Identität empfunden werden und als Ursache für die Verschärfung
sozialer Konflikte. Die Aufgabe von Erwachsenenbildung besteht darin,
Verständnis für das Unbekannte zu wecken und Voraussetzungen für
soziale Kommunikation
und
Interaktion
zu schaffen.Narratives Interview
http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm
Von Fritz Schütze
eingeführtes und begründetes Verfahren der Datenerhebung,
in welchem die oder der Befragte gebeten wird, einen bestimmten Ausschnitt
aus ihrem/seinem Leben oder auch das Leben in seiner Gesamtheit (in
diesem Fall spricht man von narrativ-biographischem Interview) möglichst
spontan, also (zunächst) ohne Rückfragen seitens der/des
Interviewer/in/s, und umfassend zu erzählen. Ausgangspunkt ist
daher ein entsprechender erzählungsgenerierender Stimulus, der
eine Stegreiferzählung der oder des Befragten hervorruft; es
soll jedenfalls im Rahmen dieser ersten Erzählung eher vermieden
werden, dass die/der Befragte das Erzählte z. B. begründet,
aus einer "theoretischen" Perspektive kommentiert oder umfassend
bewertet.
Im einzelnen verläuft
das N. I. im Regelfall folgendermaßen:
1. Am Anfang steht
die Erzählaufforderung, die die/den Befragte/n zur
2. Haupterzählung
veranlasst. Während dieser Haupterzählung soll die/der Befragte
durch keinerlei (Nach-)Fragen unterbrochen oder gelenkt werden, die
Erzählung wird vielmehr (nach Schütze) durch drei Erzählzwänge
gesteuert:
o den Gestaltschließungszwang
(nicht: Gestalterschließungszwang, wie bei Flick 1995, S. 118
zu lesen!), den Zwang, angefangene Themen oder Erzählstränge
auch in irgendeiner Art und Weise abzuschließen;
o den Kondensierungszwang,
den Zwang, die Erzählung soweit zu "verdichten", dass
sie angesichts begrenzter Zeit für die/den Zuhörer/in nachvollziehbar
bleibt. Diesem Zwang steht entgegen der
o Detaillierungszwang,
der Zwang, Hintergrund- oder Zusatzinformationen einzubringen, die
für das Verständnis der Erzählung erforderlich sind.
Zusammengenommen
sollen diese Zwänge dafür sorgen, dass einerseits die wichtigsten
Ereignisse berichtet werden, andererseits das Interview für die
Beteiligten - Befragte wie Befragende - handhabbar bleibt.
Die Haupterzählung wird meist abgeschlossen durch eine Erzählkoda,
also eine Äußerung, die das Ende der Erzählung signalisiert,
wie z. B. "Ja, das wär's eigentlich".
3. Hierauf folgt
i. a. eine Nachfragephase durch den/die Interviewer/in. Mit Schütze
lassen sich zwei Formen von Nachfragen unterscheiden: Immanente Nachfragen,
also solche, die sich direkt auf das vorher Erzählte beziehen
(z. B. auf Unklarheiten, auf Dinge, die nur angedeutet, aber nicht
ausgeführt wurden, etc.), und exmanente Nachfragen, die sich
auf Sachverhalte oder Probleme beziehen, die vom Befragten überhaupt
nicht angesprochen wurden, die aber dem/der Interviewer/in aus bestimmten
Gründen (z. B. wegen Fragestellungen, die im Forschungsprojekt
geklärt werden sollen) wichtig erscheinen. Auch in dieser Nachfragephase
soll die/der Befragte möglichst zu Erzählungen animiert
werden.
4. Am Ende steht
die Bilanzierungsphase, in der das bisher Erzählte abschließend
zusammengefasst und bewertet wird. An dieser Stelle können nun
auch Bewertungen des Geschehens und Erklärungen desselben seitens
der/des Befragten erfolgen.
Literatur:
· Glinka 1998
· Hermanns 1991
·
Schütze 1983
Perturbation
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00227.html
Definitionen
des Begriffs "Perturbation"
- Perturbation
ist ein Terminus im Radikalen Konstruktivismus. Er steht für Störungen,
die eine Kompensationshandlung auslösen, wobei gleichgültig ist,
ob die Störung positiv oder negativ erlebt wird.
von Rolf Todesco im Buch Hyperfiction (1999) im
Text Hyperkommunikation
auf Seite 118
Bemerkungen
zum Begriff "Perturbation"
- Ziel der
Assimilitations- und Akkomodationsprozesse ist die Überwindung
von Perturbationen in der Begegnung mit der Umwelt und die Herstellung
eines neuen Equilibriums.
von Rolf Schulmeister im Buch
Grundlagen hypermedialer
Lernsysteme (1996) im Text Theorien des Lernens auf
Seite 65
Phantasiereise
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Methode aus der
Gestaltpädagogik,
bei der unter Anleitung eines Kursleiters nach einer Entspannungsphase
in Gedanken z.B. eine Reise zu einem anderen Ort oder in eine andere
Zeit gemacht wird. Diese werden mit allen Sinnen wahrgenommen und
betrachtet. Nach einer gewissen Zeit kehren die Reisenden in Gedanken
wieder in ihre Ausgangssituation zurück. Phantasiereisen setzen unbewusstes
Wissen und kreative Einfälle frei und geben dem Lerngegenstand individuelle
Prägung und Wichtigkeit. Sie sind bei vielen unterschiedlichen Kursinhalten
einsetzbar. Jedoch gilt es zu bedenken, dass Phantasiereisen tiefliegende
Empfindungen und Probleme aktivieren können. Bei stark biographisch
geprägten Themen sind sie gut dosiert und behutsam einzusetzen.
Phylogenetisch
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
die Stammesgeschichte von Lebewesen betreffend; auf
die biologisch-ökologische Entwicklungsgeschichte der Menschheit,
menschlicher Rassen und Völkerstämme bezogen
Postmoderne
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Der Begriff ist unscharf, mehrdeutig und umstritten.
Zeitlich bezieht er sich auf die aktuell herrschende Epoche der auslaufenden
Neuzeit, der sog. Moderne, deren Ideale und Postulate ihre Wurzeln
im 18./19. Jh. in der
Aufklärung
haben. Sein Charakteristikum ist eine zunehmend sich beschleunigende
Auffächerung und Vielgestaltigkeit vieler Bereiche des kulturellen
und gesellschaftlichen Lebens. Dazu kommt eine sich ins Extrem entwickelnde
Vorstellung von
Autonomie,
im Sinne reiner Selbstverwirklichung unter Hintanstellung sozialer
und politischer Verantwortung und des Solidaritätsgedankens. Der aus
der klassischen Moderne stammende Slogan »alles ist machbar« hat sich
zum »alles ist möglich und alles ist erlaubt« (anything goes) gewandelt.
Die auch im Zusammenhang mit den großen Migrationsbewegungen
in Europa stehende Auflösung herkömmlicher
Normen
und
Wertsysteme
wird von vielen als Orientierungsverlust und Identitätsbedrohung beklagt.
Sie bietet aber durch die Möglichkeit pluralistischer Wirklichkeitsgestaltung
dem Einzelnen einen großen persönlichen Freiraum und durch die Dynamisierung
der Leistungsgesellschaft bestimmten sozialen Gruppen einen hohen
Lebensstandard.
Inwieweit sich aus dem jetzt vorhandenen Fundus bunter,
beliebiger Vielfältigkeit in Kultur und Gesellschaft neue Wertordnungen
und stabile soziale Gebilde auf friedliche Weise werden entwickeln
können, muss die Zukunft zeigen.
Literatur
Greverus, J.-M.: Neues Zeitalter oder verkehrte Welt. 1990.
Hillmann, K.-H.: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1994.
Welsch, W.: Unsere postmoderne Moderne. 5. Aufl. Berlin 1997.
Erdmute Baumgart
Qualitative Sozialforschung
http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm
Qualitative Forschung
versteht sich als Alternative und/oder Ergänzung der etablierten "quantitativen",
standardisierten und zumeist auf Verfahren der Statistik zurückgreifenden
Sozialforschung, wie sie in den gängigen Lehrbüchern dargestellt wird.
Wesentliche Kennzeichen qualitativer Forschung sind m.E.:
Offenheit:
Dieses Prinzip besagt, dass im allgemeinen der "Zugang"
zum Thema, zum Feld, zu den Untersuchungspersonen und auch zu den
Daten möglichst wenig Vorentscheidungen enthalten sollte. Im Gegensatz
zur standardisierten Forschung werden nicht bestimmte zu prüfende
Hypothesen vorab festgelegt, der Feldzugang und die Auswahl der Untersuchungspersonen
werden flexibel gehandhabt und können im Verlauf des Forschungsprozesses
neuen Erfordernissen und Fragestellungen angepaßt werden, bei der
Datenerhebung soll darauf geachtet werden, dass die Erzeugung der
Daten möglichst wenig durch die Forscher beeinlußt wird, und auch
bei der Datenauswertung sollen möglichst lange möglichst viele Hypothesen
offengehalten und geprüft werden.
Orientierung an
Verstehen: Qualitative Forschung ist meistens, wenn auch
(so m.E. Kleining
1994 zu Recht) nicht immer, an der sozialen Welt als einer sinnhaft
konstituierten Welt orientiert. Dieser Sinn - der nicht unbedingt
den Subjekten bewußter Sinn sein muß - ist durch Verfahren der Hermeneutik zu erschließen.
Die inzwischen relativ
zahlreichen Verfahren und Sub-Paradigmen der qualitativen Sozialforschung
lassen sich im übrigen nicht leicht auf einen Nenner bringen: Der
Ansatz der Grounded Theory ist z.B.
ursprünglich vor allem auf der Ebene der Forschungslogik konzipiert
worden, das narrative
Interview vor allem als Verfahren der Datenerhebung, die Objektive Hermeneutik wiederum
versteht sich vor allem als Verfahren der Datenauswertung. Es lassen
sich auch eindeutig länderspezifische Schwerpunkte ausmachen; während
die qualitative Forschung in den USA sich nach wie vor stark an die
Devise "Go to the People" hält und Verfahren der teilnehmenden
Beobachtung und der Ethnographie favorisiert
(die "naturalistische" Forschung mit ihrer starken Betonung
des "Being There" ist immer noch der typische, wenngleich
gewiss nicht der einzige Vertreter, vgl. Gubrium/Holstein 1997),
ist sie in Deutschland - von einigen Ausnahmen abgesehen - im wesentlichen
"Armchair-Soziologie" geblieben, die sich mehr Gedanken
um die Interpretation von Daten als um ihre Erhebung macht.
Literatur:
· Flick 1995
· Lamnek 1988
Selbstreferenz
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
Begriff
aus der
Systemtheorie
(auch funktionalstrukturelle
Theorie);
damit ist gemeint, daß ein soziales
System
allein durch seine
Grenze
definiert, was in ihm selbst geschehen kann und soll. Es reagiert
aber auch auf das, was es in sich selbst bewirkt.
Semiotik
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
das Forschen von Wirksamkeit und Anwendbarkeit von Zeichen.
Code,
Semantik
Strukturelle Koppelung
http://www.hyperkommunikation.ch/todesco/publikationen/schriftumsteller/hk_strko.htm
Strukturelle Koppelung heisst die
Interaktion
zwischen System
und Milieu,
die System und/oder Milieu
so verändert, dass das System und
dessen Interaktionsmöglichkeit mit dem Milieu
erhalten bleibt (Evolution).
Die strukturelle Koppelung wird auch als Co-Evolution beschrieben,
wenn verschiedene Systeme gekoppelt sind. Nur ein Beobachter kann
zwei oder mehrere Systeme unterscheiden.
Für ein System sind andere Systeme
Teile des Milieus, das heisst für
ein System ist ohne Relevanz (nicht unterscheidbar), was
die äussere Quelle einer Perturbation ist.
Strukturelle
Koppelung
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00141.html
Definitionen
- Lebewesen sind nach Maturana
mit dem sie umgebenden Milieu strukturell verkoppelt. Das heisst,
sie verwirklichen ihre Autopoiese auf eine Art und Weise, die
ihren Fortbestand in dem Medium ermöglicht. Die Struktur eines
Lebewesens und die Struktur der Umwelt sind in dem Sinne miteinander
verträglich, dass der Fortbestand des Lebewesens in der Umwelt
möglich ist. Die Umwelt löst die Veränderungen eines Lebewesens
nur aus (Perturbation), determiniert aber nicht ihren Verlauf.
von Volker Riegas im Buch Zur Biologie der Kognition
(1990) auf Seite 336
Bemerkungen
- Dazu möchte ich zunächst einmal
bemerken, dass ich die beiden Begriffe 'strukturelle Koppelung'
und 'Kommunikation' nicht einfach gleichsetzen möchte, weil der
Begriff 'Kommunikation' meiner Meinung nach das Resultat der Reflexion
eines 'Beobachters' über zwei strukturell gekoppelt operierende
Lebewesen ist.
System
Ein System
nennt man die Beziehungen zwischen Elementen, die selbst
wieder Systeme sein können. Ein System ist der Hintergrund, auf dem
die Elemente als Beziehungsfiguren interagieren. Ein System ist mehr
als die Summe seiner Teile. Ein System kann eine einzelne Person sein,
aber auch eine Gruppe von Personen, wie etwa eine Familie, eine Firma
oder eine Fußballmannschaft. Alles was lebt, ist in dem Sinn, der
sich in diesem Essay ergeben wird, ein System. Also auch ein Hund!
Oder ein Mensch und ein Hund: So hat Egon Friedell auf eine so spezifische
Art und Weise seinem Hund Schnack Theater-Kritiken über sich selbst
vorgelesen, daß Schnack ihm nach ständig wachsendem Mißfallen und
Knurren schließlich die Zeitung aus den Händen riß und zerfetzte.
Dies ist eine Geschichte über ein System.
Themenzentrierte Interaktion
http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/verstehen/#
(TZI) Ruth Cohn entwickelte - aufbauend auf
Psychoanalyse
und Gruppentherapien - ein Verfahren für »lebendiges Lernen«, das
Stofflernen und Persönlichkeitsentwicklung miteinander verbindet.
Die TZI orientiert sich am
Menschenbild
der humanistischen Psychologie und sieht den Menschen als psychosomatische
Einheit in wechselseitiger Verbundenheit mit der sozialen Umwelt an.
Als besonders wichtig sind deshalb in dieser Gruppenlernmethode die
dynamische Balance zwischen dem einzelnen Teilnehmer (Ich), der Gruppe
(Wir), dem Thema (Es) und die Beachtung des Umfeldes (Globe) anzusehen.
Postulate und Hilfsregeln unterstützen die Interaktionen. Das erste
Postulat »Sei dein eigener Chairman (Vorsitzender, Herr)« weist auf
die Verantwortung des Einzelnen für sich selbst und andere hin, das
zweite »Störungen haben Vorrang« auf die Beachtung von den Lernprozess
störenden Gefühlen, wie Angst, Vorurteile usw.; Hilfsregeln sind z.B.
»Sprich per ich und nicht per man«, »Wenn du eine Frage stellst, sage,
warum du fragst«, »Nur einer spricht zur gleichen Zeit«, »Beachte
Körpersignale« usw.
Für die Erwachsenenbildung ist die themenzentrierte
Interaktion für Lernen in Gruppen ein sehr hilfreiches didaktisches
Konzept: Lernen wird durch die persönliche Bezogenheit zum Thema bedeutungsvoller,
autonomes und gleichzeitig kooperatives Verhalten wird unterstützt.
Die Aufgabe des Gruppenleiters besteht dabei vor allem in der Beachtung
einer ausgewogenen, fließenden Verteilung zwischen den beteiligten
Personen und dem Thema.
Literatur
Cohn, R.: Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion:
von der Behandlung einzelner zu einer Pädagogik für alle. Stuttgart
1975.
Anna Rieg-Pelz
Viabilität
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00170.html
Definitionen
des Begriffs "Viabilität"
- Viability hiess ursprünglich
die 'Gangbarkeit' eines Wegs und wurde dann in der Entwicklungsgeschichte
für die Überlebensfähigkeit von Arten, Individuen und Mutationen
verwendet. Das ist genau der Sinn, in dem ich das Wort in der
Epistemologie gebraucht habe.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Einführung
in den Konstruktivismus (1985) im Text Konstruktion der Wirklichkeit
und des Begriffs der Objektivität
- Handlungen, Begriffe und begriffliche
Operationen sind dann viabel, wenn sie zu den Zwecken oder Beschreibungen
passen, für die wir sie benutzen.
von Ernst von Glasersfeld im
Buch Radikaler
Konstruktivismus (1995) im Text Wie ich zum Konstruktivisten
heranwuchs auf Seite 43
Paul Watzlawick
http://www.peraugym.at/watzlawick.htm
- Stand vom 16.4.2001

Kurzbiographie: © Mitteilungsblatt Villach
1921 geboren in Villach,
1939 Matura am Bundesrealgymnasium Villach,
Studium der Philologie und Philosophie
in Venedig,
Ausbildung zum Psychotherapeuten am
C.-G.-Jung-Institut in Zürich,
1957 Ruf an die Universität von El Salvador,
1960 Forschung am Mental Research Institute in Palo
Alto,
1976 Professor für Psychotherapie an der Stanford
University.
Deutschsprachige
Veröffentlichungen:
1969 Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen,
Paradoxien (mit Janet Beavin und Don
Jackson). » Englischer Titel
1974 Lösungen. Zur Theorie und Praxis menschlichen
Wandels (mit John Weakland und Richard
Fisch)
1976 Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn - Täuschung
- Verstehen
1977 Die Möglichkeit des Andersseins
1978 Gebrauchsanweisung für Amerika. Ein respektloses
Reisebrevier
1981 Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir,
was wir zu wissen glauben? (Hrsg.)
1983 Anleitung zum Unglücklichsein
1986 Vom Schlechten des Guten
1988 Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit. Ein
Gespräch über den Konstruktivismus
1991 Das Auge des Beobachters (mit P. Krieg)
1992 Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns
1992 Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels
1992 Paul Münchhausens Zopf oder Psychotherapie
und "Wirklichkeit"
Zirkularität
http://beat.doebe.li/bibliothek/w00368.html
Bemerkungen
zum Begriff "Zirkularität"
- Das fundamentale Prinzip kybernetischen
Denkens ist [...] die Idee der Zirkularität.
von Heinz von Foerster im Buch
Wahrheit ist
die Erfindung eines Lügners (1998) im Text Kybernetik auf Seite 106
- Unter Zirkularität versteht
man, dass das Ergebnis der Operation eines Systems die nächste
Operation dieses Systems einleitet: Das System und seine Operationen
sind ein 'geschlossenes System'.
von Heinz von Foerster im Buch
KybernEthik
(1993) im Text Lethologie
auf Seite 146
Literaturverzeichnis