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Einführung in die Geschichte kulturwissenschaftlichen Denkens würde den
Rahmen sprengen; kurz seien hier als Exkurs die Hauptanliegen
zusammengefasst: Als „Gründungsurkunde der Kulturwissenschaften“, wie es
Markus Fauser in seiner jüngst erschienen Zusammenfassung (2004[i])
nennt, gelten die Schriften von Ernst Cassirer, drei Bände über die
„Philosophie der symbolischen Formen“ (1923-1929). Cassirer schuf hier eine
neue Basis für eine Philosophie, die von der grundsätzlichen kulturellen
Bedingtheit des Menschen und seiner Wissenssysteme ausgeht. Cassirer macht
bereits auf die Funktionalität kultureller Ausdrucksformen für den Menschen
aufmerksam und nimmt mit seiner Vorstellung vom „Symbolnetz“ als „Gespinst
menschlicher Erfahrung“ bereits ein systemisches Kulturverständnis vorweg.
Immer wieder macht er auch auf die Notwendigkeit dessen aufmerksam, was man
heute „Dekonstruktion“ nennen würde, die Distanzierung von der Mittelbarkeit
menschlicher Wahrnehmung, die eine als selbstverständlich wahrgenommene
Realität entlarvt und kritisch in Frage stellt. Ebenso modern erscheint die
Idee Cassirers hinsichtlich einer Metaebene der Beobachtung im
interdisziplinären Methoden- und Ergebnis-Vergleich, wobei seiner Meinung
nach besonders die Fächer Biologie, Literaturwissenschaften, Geschichte,
Soziologie, Psychologie und Ethnologie angesprochen sind. |
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| Gerade letztgenannter
Wissenschaftszweig wird von Fauser besonders in der zweiten Phase der
Entwicklung von Kulturwissenschaft in Deutschland in den Mittelpunkt gerückt. Hier sind
es vor allem die Schriften von Clifford Geertz, der mit seinem Begriff der „Dichten
Beschreibung“ sowohl auf Vorzüge als auch auf Probleme ethnographischer Arbeit aufmerksam
macht und auf ethnologische Methodenprobleme allgemein, wie Feldforschung und
teilnehmende Beobachtung bzw. deren schriftstellerische Auswertung. Diese
beschreibt Geertz als eine Vielfalt komplexer, oft übereinandergelagerter
oder ineinander verwobener Vorstellungsstrukturen, die fremdartig und
zugleich ungeordnet und verborgen wirkten und zunächst irgendwie
gefasst werden müssten. Die Kritik, die an Geertz Konzeption geübt wurde, führte zu einer
selbstreflexiven Wende der Ethnologie, die Fremdheit als grundsätzlich
relationalen Begriff betrachtete. Das bedeutete ein Aufbrechen der
ethnographischen Methodik in Richtung einer Demokratisierung in der Form,
dass Beobachtete genauso zu Wort kamen wie der Ethnograph selbst und die
Genres der Textualisierung über den Typ der wissenschaftlichen Abhandlung hinaus
erweitert wurden. |
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| Seit 1964 spricht
man im anglo-amerikanischen Raum von „Cultural Studies“. Konkret verbunden
ist dieser Begriff mit der Gründung des „Center for Contemporary Cultural
Studies“ durch Richard Hoggart an der Universität Birmingham im Verbund mit
den Arbeiten von Raymond Williams und Edward P. Thompson. Diese frühen
Vertreter stammten alle aus der Erwachsenenbildung und verfolgten ein
Bildungsideal mit emanzipatorischen und politischen Wirkungsabsichten.
Inhalte waren die Erforschung von Populär-, Sub- und Alltagskultur,
marginalisierten Gesellschaftsschichten, ihrer Identitätsprobleme ebenso wie
die ethnischer Gruppen und Mediengebrauch im identitätsbildenden
Zusammenhang. Als herausragende Persönlichkeit der „British Cultural Studies“
gilt der aus Jamaika stammende Stuart Hall, der zur Internationalisierung des
Instituts beitrug und die theoretische Ausweitung des Konzepts vorantrieb,
vor allem unter Einbeziehung der Werke Foucaults und Lacans. |
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[i] Fauser, Markus: Einführung in die Kulturwissenschaft. WBG Darmstadt 2004 |
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