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Die deskriptiven
Daten einer mikrostrukturellen Analyse würden ungefähr lauten, dass die
Melodie aus drei repetitiven Patterns mit gleicher rhythmischer Struktur,
punktierter Viertel, drei Achtel, Viertelnote, in der Taktart Vierviertel
besteht, denen eine ganztaktige Schlussnote folgt, welche jeweils eine
viertaktige Melodiezeile abschließt. Die Patterns sind dreitönig und im
Zusammenhang mit der Schlussnote könnte man sie dem ersten Tetrachord einer
phrygischen Skala zuordnen, wenn man sie denn modal einordnen wollte. Durch
die Enge der Tonschritte wirkt die Melodie rezitativisch-deklamatorisch und
im Zusammenhang mit dem langsamen Tempo ergibt sich eine eher getragen
düstere Stimmung. Im Abgleich mit der auditiven Wahrnehmung in einem
europäisch-abendländischen Zusammenhang lässt sich diese Aussage bestätigen.
Natürlich würde eine notentext-hermeneutische Analyse innerhalb eines
historisch-musikwissenschaftlichen Kontextes noch weit mehr leisten, doch
bedürfte es dazu weit mehr Informationen, Archivmaterialien, biographischer
Notizen zum Komponisten, zu örtlichen und zeitlichen Entstehungsumständen,
zur Aufführungspraxis usw. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als
falle die Historische Musikwissenschaft am weitesten aus dem Spektrum der
Cultural Studies heraus, da sie zu eurozentriert und zu wenig kosmopolitisch
orientiert sei bzw. nur im diachronen Rahmen jedoch nicht im synchronen
kulturellen Geschehen arbeite, so täuscht diese Einschätzung, da jede andere
Methodik-Richtung auch auf eine historische Dimension bezogen ist und
insofern stets auch diesen Kontext aufsuchen wird. Des weiteren hat sich
innerhalb der Kulturwissenschaft ein eigener Strang herausgebildet, der sich
mit Gedächtnistheorien beschäftigt und somit die historischen Dimensionen
kultureller Ausdrucksformen einem neuen Blickwinkel aussetzt. Diese besonders
in Deutschland vom Ehepaar Jan und Aleida Assmann ausgearbeitete Richtung
beschäftigt sich mit den Themen wie „Vergessen“, „Erinnern“, dem „kulturellen
Gedächtnis“, „Kanon und Kultur“, „kollektiver Identität“ und
„Erinnerungspolitik“. Jeder mikrostrukturell-musikkulturell geformte Inhalt
kann auf der Grundlage dieser Untersuchungsperspektiven einer
makrostrukturell- diachronen Betrachtungsweise unterzogen werden.
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Nun handelt es
sich bei unserem Beispiel jedoch nicht, wie Sie aufgrund der Soundtextur und
der fehlenden Notation vielleicht bereits erraten haben, um eine Komposition
aus irgendeinem europäisch-abendländischen Zusammenhang, sondern um oral
überlieferte klingende Musik, „recorded culture“ aus einem unvertrauten
kulturellen Kontext, was die Methoden der Ethnomusikologie herausfordert.
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